Waldschnepfen bedroht durch Windenergieanlagen

Werden Windenergieanlagen in Wäldern errichtet, in denen Waldschnepfen vorkommen, ist ein enormer Rückgang der besetzten Revieren zu erwarten.  Ornithologen und Vogelschützer sind sich einig: Die Waldschnepfe muss bei Planungen zu Windparks in Wäldern stärker berücksichtigt werden.

Windenergieanlagen werden im Wald errichtet (Symbolbild) | Quelle: Flickr Autor Mass. Office of Energy & Environmental Affairs / unter CC 20 Lizenz - beschnitten

Windenergieanlagen im Wald (Symbolbild) | Quelle: Flickr  Mass. Office of Energy & Environmental Affairs / CC 20 Lizenz – beschnitten

Die Waldschnepfe steht in Deutschland auf der Roten Liste der bedrohten Vögel. Ihr Bestand ist rückläufig. Umso verwunderlicher ist es, dass die Art bei der Planung von Windkraftanlagen in Wäldern kaum Berücksichtigung findet. Das ist fatal, denn erste Forschungsergebnisse und Beobachtungen von versierten Ornithologen warnen vor schweren Beeinträchtigungen und einer kompletten Entwertung des Lebensraums.

Im September 2016 veröffentlichte das Landesamt für Umwelt Brandenburg eine Information über Einflüsse der Windkraftanlagen auf Vögel. Für die Waldschnepfe sehen die Ornithologen eine besondere Gefahr durch Entwertung des Lebensraumes. Im Klartext: Kommen Windräder in den Wald, wo Waldschnepfen leben, geben die Vögel ihren Lebensraum auf.

Untersuchungen aus dem Nordschwarzwald stützen diese Aussage: Von 10 Männchen auf 100 Hektar vor Inbetriebnahme eines Windparks, ermittelte man der Betriebnahme nur noch eines! Dies war das krasseste je gemessene Ergebnis. Bei vergleichenden Untersuchungen ging man bisher von einem Maximalverlust von 88% aus.

Als Hauptursache für diesen verheerenden Rückgang wird in erster Linie die Barrierewirkung der Windräder genannt (wie eine undurchdringliche Mauer). Auch eine Beeinträchtigung der Kommunikation während der Balzflüge kommt in Frage.

Der Lärm der Windräder verscheucht die Waldschnepfen

Waldschnepfen reagieren – wie nahezu alle Tiere des Waldes – empfindlich auf Lärm. Der für Waldschnepfen kritische Schallpegel beginnt bei 55 Dezibel – der Lautstärke eines normalen Gespräches. Je nach Bauausführung der Windräder muss man um dieses Wert zu erreichen, wenigstens 200 -300 Meter vom Windrad entfernt sein. Jede weitere Annäherung an das Windrad geht mit einer Steigerung des Schallpegels einher.  Für die Waldschnepfe ist der Bereich um die Windenergieanlagen damit verloren.

Waldschnepfen benötigen ungestörte Wälder | Flickr Autor Chun-Chieh Liao - CC 2.0 Lizenz

Waldschnepfen benötigen ungestörte Wälder | Flickr Autor Chun-Chieh LiaoCC 2.0 Lizenz

Direkte Gefährdung durch die Windenergieanlage – Vogelschlag

Der Ausbau der Windenergieanlagen in Wäldern beginnt erst. Erfahrungen, inwieweit von Todesopfern unter den Waldschnepfen ausgegangen werden kann, fehlen noch weitestgehend.  Bisher konnten 16 Waldschnepfen unter Windrädern erschlagen aufgefunden werden. Hierbei handelt es sich allenfalls um Zufallsfunde. Es ist davon auszugehen, dass verendete Vögel sehr zügig von Fleichfressern aufgefunden werden. Hier ist also schon naturgemäß von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Fazit

Waldschnepfen sind windkraftsensibel und müssen bei der Planung von Windparks in Wäldern stärker berücksichtigt werden. Um Kenntnis über die besetzten Reviere zu erhalten, muss während der Balzzeit verstärkt auf Balzflüge von Schnepfen geachtet werden („Schnepfenstrich“). Da auch Durchzügler und Wintergäste balzen, sollten diese Erhebungen erst ab Mitte April vorgenommen werden.

Weitere Untersuchungen sind dringend notwendig. Aber bitte nicht erst, wenn der Windpark im Wald steht! Waldschnepfen leben in feuchten Laub – und Mischwäldern. In höheren Lagen auch in Nadelwäldern vorkommend. Reviere werden vorwiegend in großen, ausgedehnten Wäldern mit einer reichen Bodenvegetation von den Waldschnepfen besiedelt. Ein Lebensraum, der über einen großen Artenreichtum verfügt. Es ist davon auszugehen, dass nicht nur die Waldschnepfen vor dem Lärm der Windräder das Weite suchen!

Quellen

  1. Die Waldschnepfe – Biologie, Lebensweise, Schutzstatus
  2. Landesamt für Umwelt Brandenburg | Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. – Stand 20. September 2016
  3. DORKA, V., F. STRAUB & J. TRAUTNER (2014): Windkraft über Wald – kritisch für die Waldschnepfenbalz? Erkenntnisse aus einer Fallstudie in Baden-Württemberg (Nordschwarzwald). Naturschutz & Landschaftsplanung 46: 69-78
  4. GARNIEL, A., W. D. DAUNICHT, U. MIERWALD & U. OJOWSKI (2007): Vögel und Verkehrslärm. Quantifizierung und Bewältigung entscheidungserheblicher Auswirkungen von Verkehrslärm auf die Avifauna. Schlussbericht November 2007 / Kurzfassung. FuE-Vorhaben 02.237/2003/LR des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung. Bonn, Kiel, 273 S.
  5. STRAUB, F., J. TRAUTNER & U. DORKA (2015): Die Waldschnepfe ist „windkraftsensibel“ und artenschutzrechtlich relevant. Naturschutz & Landschaftsplanung 47: 49-58.
  6. BI „Rettet den Taunuskamm“
Vorheriger Beitrag
9 Fakten über Spechte
Nächster Beitrag
Löffler zurück in Deutschland

Passend zum Thema

Neues von LigaVogelschutz

Menü