So wird der Kompost zum Lebensraum für Blindschleichen, Kröten und andere Wildtiere

Wer kompostieren will und gleichzeitig Wildtieren in seinem Garten einen Lebensraum bieten möchten, sollte einen offenen Komposthaufen anlegen. Blindschleichen, Kröten und andere Wildtiere finden hier eine Unterschlupf; Vögel nicht nur im Winter jede Menge Nahrung.

Diese Blindschleiche hat den Komposter entdeckt und nutz ihn als Lebensraum | Flickr by Margaret W. Carruthers / Lizenz CC BY 4.0

Kompostbehälter findet sich fast in jedem Garten. Meist in Form von geschlossenen Tonnen. Eine tolle Sache, aber, für Wildtiere nicht die erste Wahl. Wer in seinem Garten einen Platz für Blindschleichen, Eidechsen und Kröten schaffen möchte, der sollte lieber einen offenen Komposthaufen anlegen.

Die Was-Ihr-benötigt-Liste

  • Kompostbehälter aus Holz (Beispiel Amazon anschauen)
  • Zerkleinerte Pflanzenreste aus dem Garten
  • Küchenabfälle (z.B. Obst- und Gemüseschalen, Kaffeesatz, Teebeutel)
  • Laub
  • Rasenschnitt
  • Für Selber-Bauer: Paletten, Bretter und Pfosten
  • Eine ruhige Ecke, damit Blindschleiche und Co nicht gestört werden

Mit etwas Geschick lässt sich ein Komposter aus Latten und Pfosten selbst bauen. Achtet auf Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern | Flickr Autor solylunafamilia / Lizenz CC BY 4.0

Aufbau und Standort des Komposters

Damit Wildtiere den Komposter als Lebensraum nutzen können, braucht es rundherum Öffnungen. Optimal sind Komposter aus Holzlatten, die einige Zentimeter auseinander angebracht sind. Blindschleiche, Kröten und andere Wildtiere können durch die Spalten problemlos in den Kompost hinein oder auch wieder herauskommen.

Der perfekte Standort ist ein ruhiger Winkel im Garten. Ein halbschattiger Platz sollte gewählt werden. Zu viel Sonne ist nämlich ungünstig. Denn trocknet der Haufen aus, wird die Zersetzung behindert. Stellt den Komposter direkt auf die Erde. So können Regenwürmer und andere Bodenorganismen in den Kompost gelangen.

Keine Angst vor Feuerwanzen. Auch sie finden sich schnell an offenen Komposthaufen ein. Sie sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für alle Insektenfresser | Pixabay

Das „richtige“ Futter für Euren Kompost

Laub, Grünschnitt und Pflanzenreste fallen in jedem Garten und sind das perfekte “Futter” für Euren Komposthaufen. Und eine gute Basis für Wildtiere. Schneidet die Materialien mit einer guten Gartenschere möglichst klein. Das sorgt für eine schnellere Zersetzung und damit Wärmeentwicklung. Blindschleichen und Wildtiere, die im Kompost überwintern mögen Wärme.

Küchenabfälle – wie Obst- und Gemüseschalen, Teebeutel, Eierschalen, Kaffeesatz – können natürlich auch auf den Kompost. Doch Vorsicht: Fleisch, Gekochtes, Milchprodukte oder Brot haben auf dem Kompost nichts verloren. Einen richtig guten Kompost bekommt Ihr, wenn Ihr das Material im Kompost schichtweise einlegt: Grüne Pflanzenreste wie Grasschnitt oder Gemüseschalen, wechseln sich mit braunen (Laub oder klein geschnittene Äste) ab.

Umschichten, feucht halten und vorsichtig sein: Ein Kompost benötigt Zuwendung

Um die Zersetzung – die Rotte – zu fördern, darf der Haufen nicht austrocknen. Aber auch nicht durchdringend nass werden. Ein Regenschutz ist deshalb sinnvoll. Gut geeignet ist ein Stück von einem alten Teppich oder eine Holzplatte, die oben auf den Haufen gelegt wird. Dabei muss keinesfalls alles abgedeckt sein. An heißen Tagen sollte man den Komposthaufen gießen, um ihn vor dem Austrocknen zu schützen.

Hin-und-Wieder muss der Komposthaufen umgesetzt werden. ABER: keinesfalls in der Zeit von Oktober bis März. Da ist der Haufen Rückzugsort und Winterquartier für Blindschleichen Eidechsen, Kröten und viele andere Wildtiere. Seid bei der Entnahme oder dem Umsetzen des Kompostes sehr vorsichtig. Eine Mistgabel oder ein Spaten können Wildtieren böse Verletzungen zufügen oder gar töten. Für die Entnahme des Kompostes ist es einfacher, wenn sich eine Seite des Komposters entfernen lässt. Das ist auf jeden Fall bequemer.

Mit zwei Kompostern lässt sich übrigens leichter komposten. Nach ungefähr einem Jahr ist der Kompost reif ist und kann ausgebracht werden. Da aber nicht alle eingebrachten Materialien ein Jahr im Kompost liegen, müssen sie weiter kompostiert werden. Da kommt der zweite Komposter ins Spiel: Alles was noch nicht richtig verrottet ist, wird in den Nachbar-Komposter umgeschichtet. Durch diese Rotation entstehen immer wieder neue Lebensräume.

Vorsichtig beim Umschichten des Kompostes. Gleich vier Blindschleichen haben es sich im Kompost bequem gemacht | Flickr Dr Mary Gillham Archive Project / Lizenz CC BY 4.0

So entsteht ein toller Lebensraum für Blindschleichen und Wildtiere rund um Euren Kompost

Wer etwas mehr Platz zur Verfügung hat, kann eine kleine “wilde”Ecke für Blindschleichen und eine Vielzahl anderer Wildtiere rund den Komposter schaffen. Zentraler Punkt könnten zwei Komposter sein. Daneben stellt Ihr einen Drahtkomposter auf, in den Ihr Äste und kleine Stämme hinein stapelt. Ist dann noch etwas Platz, lässte sich ein kleiner Steinhaufen aufschichten…. und hier ist dann auch Platz für Brennnesseln. Die Brennnesselfalter werden Euch dafür lieben. Übrigens: altes, gäriges Obst ist ein Festmahl für Falter. Lasst davon immer etwas auf oder neben dem Komposter liegen.

Stärkere Äste und Zweige können in einem Drahtkomposter eingestapelt werden. Hier findet Ihr alle Infos zu unserem Projekt: Drahtkomposter mit Totholz


Eine Erdkröte hat im Kompost ein Quartier bezogen | Flickr John Leach / Lizenz CC BY 4.0

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