Rückgang nachtaktiver Insekten durch Lichtverschmutzung

Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei erforschen im Westhavelland den Einfluss von Straßenbeleuchtung auf nachtaktive Insekten. Erste Ergebnisse scheinen zu bestätigen, dass Straßenlaternen ein für Nachtfalter schwer zu überwindendes Hindernis darstellen. Lichtverschmutzung ist somit ein weiterer Faktor, der zum Verschwinden nachtaktiver Insekten beiträgt.

Nachtaktive Insekten an Straßenlaterne | Quelle: Flickr -Autor dbgg1979 / CC by 4.0 - Bild beschnitten

Nachtaktive Insekten an Straßenlaterne | Quelle: Flickr –Autor dbgg1979 / CC by 4.0 – Bild beschnitten

Geringe Lichtverschmutzung im Westhavelland bietet optimale Bedingungen

Die Region um Lochow im Westhavelland genießt den Ruf, eines der dunkelsten Flecke Deutschlands zu sein. Hier wurde Deutschlands erster Sternenpark gegründet, denn so viele Sterne, wie man hier bei klarem Nachthimmel beobachten kann, sieht man sonst fast nirgends in Deutschland. Grund dafür ist die geringe Besiedlung. Es gibt nur wenige künstliche Lichtquellen, die den Nachthimmel erleuchten. Optimale Voraussetzungen für einen Langzeitversuch zur Lichtverschmutzung und ihren Einfluss auf nachtaktive Insekten.

Lichtverschmutzung durch Straßenlaternen zerschneidet Lebensräume nachtaktiver Insekten

Die bisherigen Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass Straßenlaternen ein unüberwindbares Hindernis für Nachtfalter und andere nachtaktive Insekten darstellen: Wie von einem Staubsauger werden sie von den Laternen magisch angezogen. Sind die Nachtfalter einmal im Lichtkegel gefangen, sind sie oft nicht mehr in der Lage zu entkommen. Sie verlieren nicht nur Zeit und Energie, hier werden sie auch zur leichten Beute für Beutegreifer (Fledermäuse).

Die Wissenschaftler stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass Nachtfalter in einem Umkreis von mindestens 23 Metern von den Lampen förmlich angesaugt werden. Vor allem Lampen in den Randbereichen des Testgeländes haben auf Nachtfalter eine besondere Anziehungskraft. Hier fanden sie die meisten Nachtfalter. Der Abstand der Straßenlaternen in Deutschland und Europa beträgt zwischen 25 und 45 Meter. Das bedeutet: Sind Nachtfalter erst einmal durch den Lichtkegel angezogen wurden, gibt es für sie kein Entrinnen mehr.

Lampen stehen überall, selbst entlang von Wegen, die eigentlich keine permanente Beleuchtung bräuchten. Für Nachtfalter entstehen so Barrieren, die ihre Lebensräume und Wanderwege zerschneiden. Besonders kritisch wird es, wenn Straßenlampen bis an geeignete oder noch von Nachtfaltern besiedelte Habitate heranreichen. Die Forscher vermuten, dass die Zunahme der Lichtverschmutzung ein Grund für den europaweit feststellbaren Rückgang nachtaktiver Insekten ist.

Das Testgelände im Sternenpark Westhavelland | Bild: Christoph Prochotta

Das Testgelände im Sternenpark Westhavelland | Bild: Christoph Prochotta | Bei diesem Bild wird einem bewusst, wie stark Straßenlaternen in das Dunkel der Nacht strahlen

Lichtverschmutzung vermeiden – Nachtfaltern helfen

Man muss nicht gleich auf die Beleuchtung von Straßen und Wege verzichten, um Nachtfaltern zu helfen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Nachtfalter auf unterschiedliches Licht unterschiedlich stark reagieren. So kann durch die Verwendung von Natriumdampf- Hochdrucklampen oder LED-Lampen der Anflug merklich verringert werden. LED – Lampen verbrauchen zusätzlich deutlich weniger Energie. Ein Umstand, der gerade für Städte und Kommunen immer wichtiger wird und aus Sicht des Klimaschutzes gefördert werden sollte.

Darüber hinaus sollten folgende Maßnahmen umgesetzt werden:
  • Lampenschirme so konstruieren, dass das Licht nicht in alle Richtungen abstrahlt
  • Geschlossene Gehäuse, damit Insekten nicht eindringen können
  • Sparsame Verwendung von Lampen; vor allem entlang potentieller Lebensräume
  • Keine durchgängige Beleuchtung, wo es nicht notwendig ist. Zeitschaltuhren und Bewegungsmelder verwenden

Quellen und weitere Informationen:

Wir bedanken uns bei der Ferienhausvermietung Liane Zemlin, die uns von dem Testgelände erzählte. Die Ferienhäuser befinden sich unweit der Versuchsanlage. Übrigens: hier gibt es noch Glühwürmchen. Und Sterne! Angeblich sieht man hier zehnmal mehr Sterne als in Berlin. Das kann ich gerne bestätigen, obgleich ich sie nicht gezählt habe 😉

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