Geiersterben kostet Indien Milliarden

In Indien wurden in weniger als 10 Jahren die Geier fast komplett ausgerottet. Mit dramatischen ökologischen und ökonomischen Folgen. Die Dezimierung der Geier führte zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion in Indien, die am Ende fast 47.000 Menschen das Leben kostete und zu Mehrkosten in Höhe von 34 Milliarden US – Dollar im indischen Gesundheitswesen führte. Nicht nur das ökologische Gleichgewicht geriet außer Kontrolle, auch ökonomisch führte der Gedankenlose Einsatz des Schmerzmittels DICLOFENAC zu Verwerfungen.

Bengalgeier Indien

Bengalgeier (Gyps bengalensis) | FLICKR Bernard DUPONTCC by 4.0 Lizenz unverändert

Die Verwendung des Schmerzmittels DICLOFENAC  in der Tiermedizin führte seit den 1990er Jahren zur massenhaften Vergiftung der Geier Indiens. Bauern verabreichten ihren Rindern das Mittel. Der Wirkstoff reicherte sich in den Rindern an und führt, falls dann die Tiere doch verenden und von den Geiern gefressen wurden, zu tödlichem Nierenversagen bei den Geiern. Das Geiersterben entwickelte sich zum größten Massensterben auf dem indischen Subkontinent, wovon neben Indien auch Pakistan und Nepal betroffen waren.

Innerhalb von 10 Jahren vergifteten sich Millionen von Geiern. Nur etwa 4% der der drei ehemals häufigsten Geierarten Indiens haben das große Sterben überlebt. Da die Geier ausblieben, konnten sich streunende Hunde an den Kadavern laben, was zu einem rasanten Anstieg der Hunde führte. In Folge dessen nahmen Übergriffe auf Menschen zu. Indien hat inzwischen durch Hundebisse übertragen, die weltweit höchste Tollwutrate. Auch die Rattenpopulation stieg sprunghaft an, was weitere Probleme mit sich brachte.

Neben den oben bereits erwähnten Kosten, die nun das Gesundheitswesen Indiens belasten, sind die Entsorgungskosten der Kadaver eine weitere finanzielle Herausforderung. In einem gemeinsamen Projekt der Internationalen Naturschutzunion und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit wurde nun zum ersten Mal der Entsorgungsdienste der Geier ermittelt.

9.200 Euro an Entsorgungsleistungen erbringt ein Geier jährlich, so das Ergebnis der Wissenschaftler. Verglichen wurde, wie viel Geld für Verbrennungsanlagen benötigt wird, mit den Kosten für Aufzucht und Auswilderung von Geiern. Ausgegangen wurde von 60 toten Kühen pro Woche. Um diese Menge hygienisch zu entsorgen, benötigt man entweder eine mittelgroße Entsorgungsanlage oder 300 Geierpaare.

Seit 2006 ist in Indien DICLOFENAC als Schmerzmittel für Tiere verboten. In Apotheken ist es selbstverständlich noch erhältlich. Für die Anwendung in der Humanmedizin. In Mehrfachdosen lassen sich damit natürlich trotzdem Rinder behandeln. Wissenschaftler von der Bombay Natural History Society (BNHS) fanden bei Untersuchungen in 6% der Kadaver von verendeten Rindern immer noch Rückstände des Schmerzmittels. Halb so viel wie vor dem Verbot, aber immer noch zu viel, um für die Geier Entwarnung zu geben.

80 Millionen Geier drehten in den Jahren vor der Massenvergiftung ihre Bahnen über Indien und erbrachten kostenlos wertvolle Leistungen im Gesundheitswesen Indiens. Ob es gelingt, wenigstens einen Teil der Geier durch aufwendige Fütterungs-, Zucht – und Erhaltungsprogramme zu retten, wird die Zukunft zeigen.

Während in Indien kostspielige Rettungsaktionen für die Geier anlaufen und die Ursache für das Geiersterben verboten wurde, wurde DICLOFENAC 2014 in Spanien und Italien zur Behandlung von Nutztieren zugelassen. Die Frage wird sein, ob wir nicht in wenigen Jahren über das massenhafte Aussterben der europäischen Geier sprechen müssen.

Quellen:
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