Lichtverschmutzung durch Tribute in Light

Fataler Einfluss künstlicher Lichtquellen auf Zugvögel

Wissenschaftler vermuten schon länger, dass die Erhellung der Nacht mit künstlichen Lichtquellen nachtaktive Tiere beeinflusst und in ihrem Verhalten manipuliert*. Durch neue Untersuchungen über mehrere Jahre hinweg, konnte dies jetzt auch für Zugvögel wissenschaftlich bestätigt werden.

Künstliche Lichtquellen:

  • führen zu teilweiser völliger Desorientierung
  • beeinflussen die Kommunikation der Vögel untereinander
  • steigern den Energieverbrauch der Zugvögel (erhöhte Nahrungsaufnahme nötig)
  • erhöhen das Risiko von Kollisionen mit Bauwerken

Mit Radar und kundigen Beobachtern auf der Suche nach Beweisen

Jedes Jahr am 11. September wird den Zwillingstürmen des World Trade Centers mit Lichtkanonen ein symbolisches Denkmal gesetzt: zwei Lichtsäulen erhellen dann den nächtlichen Himmel New Yorks.  Über 6.000 Meter reichen die Strahlen in den Himmel. 88 jeweils 7.000 Watt Lampen sorgen für die nötige Strahlkraft. Noch aus einer Entfernung von 100 Kilometern kann man die Strahlen sehen.

Lichtverschmutzung durch Tribute in Light

Tribute in Light – Installation | FLICKR Photo by andrewmurray / CC BY-ND 4.0

Über sieben Jahre hinweg untersuchten Wissenschaftler die Auswirkungen der Lichtinstallation „Tribute in Light“ auf Zugvögel. Mit Hilfe modernster Radartechnik und akustischen Messinstrumenten konnten sie den Einfluss messen und bewerten. Ihre Untersuchungsergebnisse veröffentlichten sie im Mai 2017.

Mit dem Einschalten der Strahler änderte sich das Verhalten der Zugvögel schlagartig. Selbst bei sehr guten Sichtverhältnissen, was so noch nicht beschrieben wurde, da alle bisherigen Studien den Einfluss künstlicher Lichtquellen bei schlechter Sicht thematisierten. Betroffen waren Zugvögel, die sich bis in vier Kilometern über den Strahlern aufhielten.  Die Anzahl der betroffenen Vögel beziffern die Wissenschaftler in den sieben Jahren der Forschung am Ground Zero mit über einer Million Vögel.

Lichtstrahlen führen zu völliger Desorientierung der Zugvögel über der „Tribute in Light“ – Installation

Das Verhaltensmuster der Zugvögel, dass die Wissenschaftler am Ground Zero beobachteten, kann man am ehesten mit völliger Desorientierung umschreiben. Dabei war das Verhaltensmuster der Vögel immer gleich: sobald die Strahler eingeschaltet wurden, verringerten sie ihre Fluggeschwindigkeit und flogen kreisförmig um die Strahlen. Zusätzlich verdichtete sich die Vogelschar. In der Nähe der Lichtinstallation betrug die Dichte an Vögeln das bis zu 20-fache** im Vergleich zu anderen Tagen während des Vogelzuges.

Schon 2002 schlugen Vogelschützer bei den Tribute-in-Lights – Veranstalter Alarm und wiesen sie auf die Störung der Zugvögel hin. Und sie fanden Gehör! Die Lichter werden sofort für 20 Minuten ausgeschaltet, sobald sich mehr als 1.000 Vögel im Lichtkegel befinden oder Vögel gefährlich tief kreisen.

Erklärung zum Video: Angezogen von den Lichstrahlen irren hunderte Zugvögel desorientiert durch die Lichtinstallation. Das Licht ist so hell, dass  bereits Wanderfalken bei der Jagd auf Zugvögeln beobachtet wurden.

Künstliche Lichtquellen ausschalten – Erkenntnisse aus den Untersuchungen

Die Untersuchungen konnten bestätigen, dass die Vögel ihren Zug ganz normal fortsetzen, sobald die Lichtstrahler abgeschaltet werden. So, als wäre nichts gewesen. Durch diese Beobachtungen gestützt, können die Wissenschaftler konkrete Empfehlungen für den Schutz der nachts wandernden Vögel aussprechen.

Künstliche Lichtquellen und Lichtstrahler gibt es überall. Hochhäuser, Sportstadien, Bohrinseln, große Baustellen. Nicht zu vergessen die Lichtstrahler auf Clubs oder bei Events.  Sie alle erleuchten ­­­­­­die Nacht. Das teilweise Ausschalten künstlicher Lichtquellen zwischen Mitternacht und dem Morgengrauen während der Hauptzugzeit minimiert das Gefahrenpotential erheblich, sind sich Vogelschützer einig.

Quellen:

*Der Rückgang nachtaktiver Insekten durch Straßenbeleuchtung und andere künstliche Lichtquellen gilt als erwiesen. Auch hier sind Vögel durch den Rückgang von Insekten als Nahrungsquelle direkt betroffen. Weitere Informationen

**Das Cornell Lab of Ornithology  geht davon aus, dass die Vogeldichte während der Tribute in Light – Installation in Lower Manhattan sogar das 60- bis 150-fache als Normalerweise betragen könnte. So wurden am 11. September 2015 um 22:12 Uhr per Radar über der ausgeschalteten Lichtinstallation 500 Vögel erfasst. 22:32 Uhr – inzwischen eingeschaltet – wurden 15.700 Vögel vom Radar erfasst. Eine Steigerung um das 31-fache.

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