Holzhäcksel – Ein besonderer Lebensraum

Jeder, der einen Garten bewirtschaftet kennt das Problem: es fallen bei der Pflege der Gehölze Äste an, die irgendwie aus dem Weg geschafft werden müssen. Das naheliegendste wäre, die Zweige in einer stillen Ecke zu einem Totholzhaufen aufzuschichten. Doch was, wenn der Totholzhaufen bereits zu groß geworden ist? Oder der Garten möglicherweise zu klein für einen Totholzhaufen? Oder wenn es schlicht und einfach viel zu viele Äste sind. Eine sehr einfache Lösung zur Beseitigung von Ästen ist es, die Äste mit einem Holzhäcksler zu zerkleinern. Es erstaunt immer wieder, wie klein der Haufen an Holzhäcksel ist, der am Ende dabei übrig ist.

Holzhäcksel Haufen für Insekten

Zwei große Haufen Holzhäcksel wurden extra für Käfer am Rand einer neu angelegten Streuwiese abgelagert.

Mit Holzhäcksel einen wertvollen Lebensraum schaffen

Aus Holzhäckseln lässt sich im Garten ein toller Lebensraum schaffen. Insbesondere für Insekten und Kleintiere. Mit der Anlage eines Holzhäckselhaufen lassen sich zum Beispiel verschiedene Käferarten gezielt fördern. Diese nutzen nämlich den Haufen für die Ablage ihrer Eier. Aus diesen schlüpfen später die Larven, die vom Holz leben.

Optimal sind Holzhäcksel aus Laubhölzern. Hier vor allem klassische Harthölzer: Eiche, Esche, Buche. Natürlich eignen sich auch andere Holzarten. Klar, dass weicheres Holz schneller zu Erde wird und somit sehr unterschiedliche Tiere am Ende davon profitieren können. In den Haufen können je nach Holzart, solch fantastischen Käfer wie Hirschkäfer, Nashornkäfer oder Rosenkäfer, einen Platz für ihre Nachkommen finden.

Ein Weg aus Holzhäcksel als Kinderstube für Hirschkäfer

Insektenforscher staunten vor einiger Zeit nicht schlecht, als sie mehrere Hundert Larven des Hirschkäfers in einem Park mitten in London aufspüren konnten. Neben den Larven des äußerst seltenen Käfers, fanden die Forscher auch bereits ausgewachsene Hirschkäfer. Daran “Schuld” war ein Weg aus Holzhäcksel, der durch den Park führt..Über sechs Jahre hinweg wurde mehrmals pro Jahr Holzhäcksel auf dem Weg aufgebracht. Allen in allem war der Weg etwas länger als 100 Meter und gerade mal einen Meter breit. Die Höhe der Holzhäcksel betrug gerade mal 20cm. Verwendet wurde für den Weg Holzhäcksel aus Eichen-, Eschen- und Buchenholz. Perfekte Bedingungen für den Hirschkäfer. (Quelle: Naturgartenfreunde)

Von ähnlichen Erfolgserlebnissen mit Holzhäcksel können auch andere Forscher berichten und so ist es auch nicht verwunderlich, dass im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen große Holzhäckselhaufen aufgekippt werden. Die Erfolgserlebnisse sollten aber auch Gartenbesitzer anspornen, einen Holzhäckselhaufen anzulegen.

Parkweg aus Holzhäcksel

So könnte es in unseren Parks auch aussehen: Holzhäcksel als Weg. Ideale Kinderstube für seltene Käfer | Photo by Puddin Tain | FLICKR / Lizenz – CC BY-SA 4.0

Holzhäcksel – Allein oder mit Totholz kombiniert – So funktionierts

Besorgen Sie sich Äste, die Sie häckseln können. Im Garten fallen bei der Gehölzpflege regelmäßig Äste an. Und häckseln Sie gleich die Äste vom Nachbarn mit. Alternativ bietet sich natürlich an, gleich auf geschreddertes Holz zurückzugreifen: Straßenverkehrsämter, Grünlächenämter einfach mal anfragen. Toll ist natürlich Hartholz (Eiche, Buche, Esche), es ist aber kein absolutes Muss.

Das gehäckselte Holz können Sie unter der Hecke zu einem Haufen aufschichten oder einen kleinen Weg anlegen. Zum Mulchen eines Beetes würden wir es nicht verwenden. Als wirksamer Schutz gegen unerwünschte Beikräuter wäre die Auflage zu dünn. Dann doch lieber über die Jahre eine Haufen geschützt unter einer Hecke aufkippen.
Wer die Möglichkeit hat, hebt eine kleine Grube aus (50 cm tief) und legt dort erst einmal dickere Totholzstämme hinein. Dann wird mit Holzhäcksel aufgefüllt und der Haufen über die Jahre immer mehr aufgeschichtet.

Eine besondere Form des Holzhäcksel-Haufens ist der Hirschkäfermeiler. Hier werden ausschließlich Eichenstämme, Eichenhackschnitzel – und sägemehl zu einem Haufen aufgeschichtet. Bei optimalen Bedingungen verlassen nach 5 – 8 Jahren die ausgewachsenen Hirschkäfer den Meiler. Wie Ihr einen Hirschkäfermeiler errichtet, erfahrt Ihr hier.

Hirschkäfermeiler Pyramidenaufbau

In den Hirschkäfermeiler kommen neben Eichenhackschnitzel auch Eichenstämme   | Photo by Leonora (Ellie) Enking / Flickr / Unter CC BY-SA 4.0 Lizenz

Holzhäcksel – Eine Option für Eilige

Hätte man in London den Weg aus einzig frischgeschlagenen Eichenstämmen gebaut, hätte man wahrscheinlich nach 20 Jahren noch keine Hirschkäfer gefunden. Es dauert nämlich sehr lang, bis das Holz den nötigen Zersetzungsgrad aufweist. Mit Holzhäcksel kommt man da wesentlich schneller ans Ziel.

Wer schon einmal in einen Haufen Holzhäcksel gefasst hat weiß, wie heiß es dort im Inneren werden kann. Und genau da liegen eben auch die Vorteile:

# Holzhäcksel speichert sehr lange die Feuchtigkeit. Durch das dadurch entstehende konstantes Mikroklima ist er al Lebensraum für Insektenlarven optimal geeignet
# Holzhäcksel bietet bedingt durch seine geringe Größe eine sehr große Oberfläche. Viel Angriffsfläche für Pilze und Mikroorganismen. Die Rotte läuft dadurch natürlich viel schneller ab und es dauert eben nur Monate, bevor Insekten einziehen können.

Die Zersetzungsvorgänge laufen sehr schnell ab. Damit der Holzhäckselhaufen lange als Lebensraum und Kinderstube funktioniert empfiehlt es sich, den Haufen regelmäßig mit neuen Holzhäcksel zu „füttern“. Und legt ruhig auch dickere Stämme in den Haufen. Diese verrotten langsamer.

Holzhäcksel im Garten – Ein wertvoller Lebensraum entsteht

Mit der Anlage von Holzhäckselhaufen lassen sich verschiedene Käferarten gezielt fördern. Optimal sind Holzhäcksel aus Laubhölzern. Hier vor allem klassische Harthölzer: Eiche, Esche, Buche. Hirschkäfer, Nashornkäfer, Rosenkäfer könnt Ihr mit diesem Projekt gut unterstützen. Unser Fazit: Unbedingt empfehlenswert. Und wer die Möglichkeit hat, einen Holzhäckselhaufen mit einem Totholzhaufen zu kombinieren, der macht hier schon mal alles richtig.

…und eines noch: in unseren Kommunen fallen jährlich tausende Kubikmeter an Holzhäcksel an. Warum schaffen es die Verantwortliche nicht, einen Platz zu finden, wo ein oder mehrere Holzhäckselhaufen als Lebensraum dienen können?

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