Der Rückgang der Schwalben hat viele Ursachen

Die Gründe, die zum Ausbleiben und dem Rückgang der Schwalben führen, sind vielfältig: Haussanierungen, Wegebau und die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft spielen hier ebenso mit hinein, wie mögliche erste Auswirkungen des Klimawandels. Besonders erschreckt, dass auch Vandalismus mit am Rückgang der Schwalben verantwortlich ist. Denn leider zerstören manche Hausbesitzer die Nester der Schwalben, aus Angst, dass die Hausfassade durch die Hinterlassenschaften der Schwalben verschmutzt.

Von dörflicher Idylle sind die meisten unserer Dörfer inzwischen meilenweit entfernt. Zu mindestens aus Sicht vieler früher häufiger Vogelarten. Sperlinge, Fliegenschnäpper, Haus – und Gartenrotschwanz nehmen genauso dramatisch ab, wie die Zahl der Rauch – und Mehlschwalben. Während einige Arten im Verborgenen leben, ist der Rückgang der Schwalben auffälliger. Bis vor wenigen Jahrzehnten herrschten paradiesische Zustände für Schwalben. Was hat sich nun konkret verändert?

Schwalben als Opfer von Versiegelung, Nahrungsknappheit und Sanierung

Mehlschwalben auf Suche nach Schlamm
Schwalben benötigen lehmige Erde zum Bau ihrer Nester

 

Die Ausgangsbedingungen für die erfolgreiche Aufzucht der Schwalbenjungen hat sich in den letzten Jahren spür – und messbar verschlechtert. Zum einen ist natürlich der Rückgang der Fluginsekten zu nennen. Bis vor wenigen Jahrzehnten gab es in jedem Dorf eine Vielzahl von Kleinbauern. Die Nutztiere standen auf dem Hof, einen Misthaufen gab es und dadurch abertausende Fliegen. Durch den Rückgang der kleinbäuerlichen Betriebe ging hier ebenl auch ein Rückgang der Insekten direkt in den Dörfern einher.

Zum Zweiten natürlich die stetige Versiegelung von Wegen und Straßen. Schwalben benötigen für den Bau ihrer Nester Baumaterial in Form von Schlamm. Dort, wo früher Pfützen waren, befinden sich jetzt zu betonierte Wege. Natürlich besetzen Mehlschwalben die alten Nester wieder, führen höchstens kleinere Ausbesserungen durch. Doch auch dazu benötigen sie feuchte Erde.

Ein dritter Grund führt uns direkt zu den Hausbesitzern direkt. Viele Häuser wurden in den letzten Jahren aufwendig saniert: Fassaden wurden erneuert, Putze und Dämmung wurde angebracht. Im Zuge der Sanierung wurden mehrheitlich bestehende Nester entfernt. Dies ist dramatisch für die Schwalben, die kein Baumaterial für neue Nester finden. Sofern es die Hausbesitzer überhaupt dulden würden. Denn das gehört leider zur Wahrheit dazu, dass sich einige Hausbesitzer an den Schwalben stören.

So werden die Schwalben aktiv daran gehindert, Nester zu bauen und leider oft bestehende Nester einfach entfernt. Vielen Hausbesitzern ist es oft gar nicht bewusst, dass sie den Schwalben dadurch einen Schaden zu fügen, denn neue Nester zu bauen, ist eben doch nicht so einfach. Auch deshalb ist das Entfernen der Nester nicht erlaubt. Vielleicht sollte man nochmal bewusst auch darauf hinweisen, dass diese Praxis strafbar ist.

Junge Rauchschwalben im Nest
Leider gehört es zur Wahrheit dazu, dass Hausbesitzer die Schwalbennester entfernen. Das ist strafbar

Wie wirkt sich die Intensivierung der Landwirtschaft auf die Schwalben aus?

Der Rückgang der Fluginsekten begründet sich auch in der Art und Weise, wie wir unsere Wiesen und Felder bewirtschaften. Dieser Punkt ist unbestritten. Wo Wiesen mehrmals im Jahr gemäht werden können sich keine Insekten mehr entwickeln. Wenn viele kleine Felder einigen großen weichen müssen, verschwindet eben auch die Vielfalt an Kulturpflanzen. Gleich mit unter den Pflug kommen kleinere Rückzugsgebiete, in denen Wildpflanzen wachsen können, die wiederum Insekten anlocken. Und dort, wo nur noch wenige Kulturpflanzen angebaut werden, ist das Vorkommen von Insekten auf wenige Wochen beschränkt. Oft nicht ausreichend, um den Schwalben ständig als Nahrungsquelle zu dienen.

Monokulturen, häufige Ernten, der Verlust von Brachflächen, all das setzt den Schwalben genau so zu, wie der Einsatz von Pestiziden. Die Rechnung ist einfach: durch chemische Spritzmittel werden Wildkräuter eingedämmt. Somit wird den Insekten die Grundlage genommen, wodurch am Ende eben auch die Schwalben leiden.

Nicht nur in der Landwirtschaft fand in den letzten Jahren eine Intensivierung statt, die für die Schwalben kritisch war. Auch rund ums Haus hat sich das Bild dramatisch verändert. Bauerngärten sind verschwunden und bunte Vorgärten werden auch immer seltener. Und natürlich ist heute jeder Weg, jedes Stück Hoffläche gepflastert. Wildpflanzen sucht man heute meist vergeblich. Schwalben sind nun mal auf Insekten angewiesen. Und diese brauchen Wildpflanzen.

…und der Klimawandel? Was ist damit?

Auch erste Auswirkungen des Klimawandels könnten eine Rolle für das Ausbleiben und den Rückgang der Schwalben haben. Mehrere Möglichkeiten sind denkbar und müssten intensiver erforscht werden.

Zum einen sind es tagelange Regenphasen, die es den Schwalben nicht ermöglichen, auf Insektenjagd zu gehen und die Schwalben verhungern lassen. Aber auch frühe Trockenperioden oder späte Kälteeinbrüche machen den Schwalben das Leben schwer.

Schon heute fliegen einige Schwalben nicht mehr nach Afrika. Einige bleiben in Spanien und auch erste erfolgreiche Brutversuche wurden im spanischen Winterquartier bereits verzeichnet.

Gefahr droht den Schwalben auch aus anderer Richtung: Ihre Nester werden immer öfter vom Hausrotschwanz oder anderen Vogelarten besetzt, die durch wärmere Winter in Nähe ihrer Brutgebiete bleiben. Somit haben sie gegenüber den Schwalben, die einen wesentlich längeren Weg von Afrika zurück ins Brutgebiet unternehmen müssen, einen entscheidenden Vorteil: Sie sind zuerst da und können die Nester besetzen.

Rauchschwalbe in Pfütze
Rauchschwalbe in einer Pfütze | Wegebau und Versiegelung nimmt Schwalben den Schlamm

Die Gründe sind vielfältig, die zum Rückgang der Schwalben führen

Die Gründe, die zum Rückgang unserer einheimischen Mehl – und Rauchschwalben führen, sind vielfältig. Es ist nicht so, dass wir uns damit abfinden müssen. Möglicherweise werden aber die Schwalben nie wieder richtig häufig werden. Jedenfalls nicht in allen Dörfern.

Wir können eine Menge tun, im Kleinen, wie im Großen: Künstliche Nisthilfen, die Anlage von Naturgärten, eine schwalbenfreundliche Landwirtschaft. Und wir müssen eine Akzeptanz für Schwalben, speziell Schwalbennester schaffen. Noch immer gibt es Hausbesitzer, die Schwalbennester illegal entfernen, obwohl es sich dabei um eine eindeutig strafbare Angelegenheit handelt (das Entfernen von Schwalbennestern ist strafbar)

Wenn wir uns weiterhin jeden Frühling an Schwalben erfreuen möchten, müssen wir jetzt anfangen zu handeln. Denn schon sehr bald könnte es zu spät sein.

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