Der Waldrapp – Vogel der Herzen 2018

Der Waldrapp
Vogel der Herzen 2018

Waldrapp; Altvogel | Bild: Portrait adult bird; Copyright J. Fritz; Waldrappteam

Der Waldrapp

Northern Bald Ibis – Geronticus eremita | Familie der Ibisse (Threskiornithidae)

Der Waldrapp zählt zu den seltensten Vögeln der Welt. Nur noch eine Kolonie existiert in Marokko. Sie zählt rund 500 Vögel mit ca. 120 Brutpaaren. Diese Brutkolonie ist die einzige sich selbst erhaltende Waldrappkolonie der Welt. Dabei kam der Waldrapp einst in einem riesigen Gebiet vor: bis zum 17.Jahrhundert kannte man Brutkolonien auf dem Balkan, in Ungarn, Italien, Österreich, der Schweiz, Süddeutschland, in Nordafrika und dem Nahen Osten.

Dank einer umfangreichen Erhaltungszucht in zoologischen Einrichtungen, konnte der Waldrapp bisher vor dem Aussterben bewahrt werden. In Zoos und Tierparks leben inzwischen mehr als 2.000 Vögel. Den Waldrapp vor dem endgültigen Untergang in freier Wildbahn zu bewahren, dieser Aufgabe haben sich eine Reihe von Initiativen gestellt. Ein besonderes Augenmerk im Erhalt der Waldrappe liegt dabei in der Wiederbelebung ehemaliger Brutkolonien, den Schutz vor Wilderei, sowie dem Schutz der Lebensräume und Nahrungsflächen.

 Der Waldrapp kehrt zurück nach Mitteleuropa. 350 Jahre nach seiner Ausrottung | Video: Waldrappteam

Beschreibung

Der Waldrapp gehört zur Familie der Ibisvögel. Durch sein markantes Äußeres ist er leicht zu erkennen. Ausgewachsene, männliche Waldrappe erreichen eine Größe von ca. 75cm. Die Weibchen sind mit 60cm Körperlänge nur unwesentlich kleiner. Die Flügelspannweite beträgt ungefähr 125cm. Das Körpergewicht beträgt zwischen 1 bis 1,5 Kilogramm.

Das schwarze, metallisch grün-violett glänzende Gefieder ist charakteristisch für den Waldrapp. Der unbefiederte, kahle Kopf ausgewachsener Waldrappe ist ein weiteres charakteristisches Merkmal. Eine Halskrause aus Schopffedern umrahmt den Kopf.

Die Beine des Waldrapps sind rötlich gefärbt. Genau wie sein langer, nach unten gebogener Schnabel. Eine Verwechslung mit anderen Ibisarten oder Schreitvögeln ist nahezu ausgeschlossen. Eine Verwechslung ist am ehesten mit dem kleineren Braunen Sichler möglich. Dessen Gefieder glänzt braun metallisch. Außerdem hat er dunkle Beine und einen dunklen Schnabel. Auch fehlt ihm die Halskrause.

Nahrung

Die Nahrung des Waldrapps besteht aus Insekten und deren Larven, Regenwürmer und Schnecken. Bietet sich die Gelegenheit, erbeutet er auch kleinere Säugetiere, Reptilien und Amphibien. Pflanzen gehören ebenso zu seinem Nahrungsspektrum.

Um an seine Nahrung zu gelangen, stochert der Waldrapp mit seinem langen Schnabel im Boden. Als Nahrungshabitate nutzen sie frisch gemähte Wiesen und Weiden. Selbst auf Golfplätzen finden sich Waldrappe zur Nahrungssuche ein. Da solche Habitate sich bevorzugt durch Menschen geschaffen wurden, kann der Waldrapp als Kulturfolger bezeichnet werden.

Fortpflanzung

Waldrappe sind Koloniebrüter. Die Brutkolonien befinden sich an Felswänden und Steilküsten. Die Brutzeit beginnt im März und reicht bis Juni. Als Nistplatz nutzen Waldrappe Nischen im Fels. Diese Nischen polstern sie mit Zweigen, Gras und Blättern aus. Sowohl das Männchen, als auch das Weibchen beteiligen sich am Nestbau.

Waldrappe legen bis zu vier Eier. Die grünlichen Eier haben die Größe eines Hühnereis. Gebrütet wird ab dem ersten Ei. Die Brutzeit beträgt 27 – 28 Tage. Die Jungen schlüpfen zeitlich versetzt. Nach Meinung erfahrener Vogelschützer dämmt dies das Aggressionsverhalten der Nestlinge ein. Waldrappe kümmern sich um den kompletten Nachwuchs. Auch der jüngste Jungvogel wird ausreichend mit Futter versorgt.

Nach 45 bis 50 Tagen werden die Jungvögel flügge. Sie fliegen dann mit ihren Eltern zu den Nahrungshabitaten und erlernen die Futtersuche. Später tun sich die Jungtiere mit Gleichaltrigen zusammen.

Schutzstatus

Der Waldrapp ist akut vom Aussterben bedroht. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN führt den Waldrapp in der Kategorie Critical Endangered (Stark gefährdet). Als Zugvogel gilt der Waldrapp bis auf ein Exemplar als ausgestorben. Eine nicht wandernde Wildpopulation existiert in Marokko. Hier ist der Bestand von ca. 1.500 Waldrappen im Jahr 1940 auf aktuell rund 500 Vögel zusammengesunken.

In Zoos leben heute ca. 2.000 Waldtrappe. Diese bilden die Grundlage für aktuelle und zukünftige Wiederansiedlungsprojekte. Unter anderen in Österreich, Deutschland, Spanien, Marokko und der Türkei.

Schutzprojekte / Wiederansiedlung

Die Auswilderung von in Gefangenschaft aufgezogenen Waldrappen stellt heute die einzige Möglichkeit dar, Waldrappen wieder anzusiedeln. Besondere Aufmerksamkeit erlangte das von der Konrad Lorenz Forschungsstelle ins Leben gerufene Artenschutzprojekt „Waldrappteam“. Ziel des Projekts ist es, den Waldrapp wieder nördlich der Alpen als Brutvogel eine Heimat zu geben.  Grünau / Österreich und Burghausen / Deutschland wurden dafür als Projektgebiete ausgewählt. In beiden Regionen war der Waldrapp einst Brutvogel.

Die große Herausforderung bei der Wiederansiedlung des Waldrapps ist die Tatsache, dass der Waldrapp ein Zugvogel ist. Waldrappen erlernen von ihren Eltern die Flugroute in ihre Winterquartiere. Von Menschenhand aufgezogene Waldrappen kennen diese Route nicht, sodass durch das Waldrappteam andere Wege gefunden werden mussten, den Jungvögeln den Weg beizubringen: mit Ultraleichtflugzeugen begleiten Mitarbeiter des Wiederansiedlungsprojektes die Waldrappen und weisen ihnen dadurch den Weg.

Mitarbeiter des Waldrappteams begleiten die Waldrappen auf ihrer Wanderung über die Alpen | Bild: Human-led migration 2016; Copyright C Esterer / Waldrappteam

Im Jahr 2003 wurde der erste Versuch unternommen, Waldrappen den Weg in das Winterquartier zu weisen. Aus den daraus gewonnen Erkenntnissen wurde die zukünftige Wanderroute entwickelt. 2004 und 2005 wurden erneut Waldrappen in die  WWF Oasi della Laguna di Orbetello in der südlichen Toskana geführt. 350 Jahre nach ihrer Ausrottung flogen Waldrappen wieder über die Alpen in ihr Winterquartier. Inzwischen finden erste Waldrappen selbständig den Weg zurück zu ihren Brutgebieten.

Nicht nur in Österreich und Deutschland gibt es Bestrebungen, den Waldrapp wieder anzusiedeln. In Spanien, der Türkei und in Marokko wurden Projekte gestartet, um den Waldrapp wieder anzusiedeln.

Waldrappkolonie in Birecik /Türkei | Bild von Nightstallion03 in der Wikipedia auf Englisch, CC BY 3.0, Link

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Mitarbeiterinnen des Waldrappteams | Foster parents Corinna Esterer and Anne Gabriela Schmalstieg with birds;Copyright J. Fritz Waldrappteam

Das Waldrappteam

„Das Projekt Waldrappteam ist der erste wissenschaftlich fundierte Versuch, eine ausgerottete Zugvogelart wiederanzusiedeln. Ein erfolgreicher Projektverlauf kann Vorbildcharakter für die Erhaltung und Ansiedlung anderer bedrohter Zugvogelarten haben. Projektträger ist der österreichische Förderverein Waldrappteam. Insgesamt sind acht Partner aus Österreich, Deutschland und Italien beteiligt. Bis 2019 sollen wieder mehr als 120 Waldrappe zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana migrieren.“ [Textquelle: Waldrappteam / Projektinfo]

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